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Sammlung Hackelsberger 

Elisabethkirchstraße 16, Berlin, Deutschland

Öffnungszeiten: TBD

Laufzeit: 11.06. - 30.08.2024

Teilnehmende

Dennis Fuchs

Trotz voranschreitender Digitalisierung vollzieht sich ein Großteil der bürokratischen Prozesse in Deutschland auf Papier. Würde man die knapp 12.000 Aktenordner des NSU-Prozesses in einem Regal aufstellen wollen, so müsste es knapp so groß wie ein zehngeschossiges Gebäude sein, 35m hoch und 9m breit. Die von Dennis Fuchs für das Paper Future Festival konzipierte Arbeit soll zum Nachdenken über eben diese Dimensionen der Bürokratie in Papierform anregen. Sie besteht aus Aktenordnern im Maßstab 1:8, die mit recyceltem Papier der Berliner Verwaltung befüllt werden. Die Anzahl der an- und übereinander gereihten Ordner orientiert sich an der Vitrine, der Inhalt besteht aus recyceltem Papier der umliegenden Verwaltung. Die Rücken der Ordner sind nicht beschriftet und überlassen es der betrachtenden Person, welchen Inhalt sie in ihnen vermutet. Es entsteht ein Raster, das die Vorbeigehenden erst bei näherer Betrachtung entschlüsseln können. Dabei spielt die Idee der Komprimierung eine Rolle. Selbst wenn viele Verfahren der Verwaltungsapparate digitalisiert werden, so bleibt doch die schiere Menge an Regularien, Daten, Vorschriften und Paragraphen, wenn auch in komprimierter Form. Wie lässt sich Bürokratieabbau fernab von Digitalisierung entwerfen?

 

Dennis Fuchs (*1992 in Berlin) lebt und arbeitet immer noch in Berlin. Er studierte Lehramt für Kunst und Philosophie/Ethik und freie Kunst bei Ina Weber an der UdK Berlin, sowie in London und Tokyo. Er stellte unter anderem in Berlin, Zürich, Mailand und Tokyo aus. Seine Arbeiten wurden mit dem Special Jury Prize des Takifuji Art Awards Japan 2018 und dem Publikumspreis des Kunstvereins Ebersberg 2019 ausgezeichnet. Seit 2023 lehrt er an der Universität der Künste Berlin. Seine künstlerische Arbeit beginnt mit der Auseinandersetzung mit massenhaft produzierten Alltagsgegenständen. Das Design dieser Gegenstände offenbart viel über die Bedürfnisse unserer hyperkommodifizierten Gesellschaft und gleichzeitig besitzen sie, wie Bruno Latour bemerkt, ein Handlungspotential. Durch ihre materielle Beschaffenheit formen sie Bewegungsabläufe, Denkprozesse und soziale Beziehungen. Diese spannungsvolle Wechselwirkung macht sich der Künstler zunutze und modifiziert Alltagsobjekte, um ihnen innewohnende Vorannahmen und Wirkmechanismen humorvoll zu offenbaren. Dabei spielt für ihn die Idee, dass Dinge ein Eigenleben entwickeln eine Rolle.

Sabine Thornau

Im Jahr 2018 erhielt Sabine Thorau für ein Kunstprojekt eine Menge geschredderter Euroscheine, im  wahrsten Sinne des Wortes - ein Geschenk! Die Verarbeitung der kleinen Schnipsel, ihre Vielfarbigkeit, die glänzenden Partikel sind  spielerisches Experiment und künstlerische Herausforderung zugleich. Es entstanden  hauchdünne handgeschöpfte Papiere mit eingearbeiteten Schnipseln, aber auch  großformatige Arbeiten und Rauminstallationen. Das Thema „Geld“ ist vielseitig und kann künstlerisch in unendlichen Varianten dargestellt  werden. Die Fragmente der Euroscheine fordern dazu auf, sie z.B. in Barrenform oder  übergroßen Kreditkarten in Erscheinung treten zu lassen. Moralische, gesellschaftliche Aspekte, die sich verändernde Einstellung zu Geld spiegeln sich in ihren Arbeiten wieder.


Sabine Thornau, geboren 1957 in Marburg, wuchs im kreativen Umfeld eines Schneiderateliers auf und entwickelte früh eine Liebe zu Farben und Formen. Nach einer Ausbildung zur Glasmalerin an der Staatlichen Glasfachschule Hadamar und einem Studium der Farbgestaltung am IACC in Salzburg gründete sie 1986 ein Atelier für Papierkunst und Objekte. Sie arbeitet mit Künstlern und Autoren zusammen, realisiert eigene Buchprojekte und stellt Papierobjekte her.

Ihre Werke wurden in zahlreichen Ländern ausgestellt, darunter Deutschland, Luxemburg, Schweiz, Frankreich, Österreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Ungarn, Slowenien und Bulgarien. Thornau organisiert internationale Ausstellungen und gibt Seminare und Workshops in Europa. Sie hat Lehraufträge in Frankreich und Finnland und ist seit 2002 Mitglied der IAPMA (International Association of Hand Papermakers and Paper Artists).


Text von Sabine Thornau

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