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Dennis Fuchs 

Trotz voranschreitender Digitalisierung vollzieht sich ein Großteil der bürokratischen Prozesse in Deutschland auf Papier. Würde man die knapp 12.000 Aktenordner des NSU-Prozesses in einem Regal aufstellen wollen, so müsste es knapp so groß wie ein zehngeschossiges Gebäude sein, 35m hoch und 9m breit. Die von Dennis Fuchs für das Paper Future Festival konzipierte Arbeit soll zum Nachdenken über eben diese Dimensionen der Bürokratie in Papierform anregen. Sie besteht aus Aktenordnern im Maßstab 1:8, die mit recyceltem Papier der Berliner Verwaltung befüllt werden. Die Anzahl der an- und übereinander gereihten Ordner orientiert sich an der Vitrine, der Inhalt besteht aus recyceltem Papier der umliegenden Verwaltung. Die Rücken der Ordner sind nicht beschriftet und überlassen es der betrachtenden Person, welchen Inhalt sie in ihnen vermutet. Es entsteht ein Raster, das die Vorbeigehenden erst bei näherer Betrachtung entschlüsseln können. Dabei spielt die Idee der Komprimierung eine Rolle. Selbst wenn viele Verfahren der Verwaltungsapparate digitalisiert werden, so bleibt doch die schiere Menge an Regularien, Daten, Vorschriften und Paragraphen, wenn auch in komprimierter Form. Wie lässt sich Bürokratieabbau fernab von Digitalisierung entwerfen?

 

Dennis Fuchs (*1992 in Berlin) lebt und arbeitet immer noch in Berlin. Er studierte Lehramt für Kunst und Philosophie/Ethik und freie Kunst bei Ina Weber an der UdK Berlin, sowie in London und Tokyo. Er stellte unter anderem in Berlin, Zürich, Mailand und Tokyo aus. Seine Arbeiten wurden mit dem Special Jury Prize des Takifuji Art Awards Japan 2018 und dem Publikumspreis des Kunstvereins Ebersberg 2019 ausgezeichnet. Seit 2023 lehrt er an der Universität der Künste Berlin. Seine künstlerische Arbeit beginnt mit der Auseinandersetzung mit massenhaft produzierten Alltagsgegenständen. Das Design dieser Gegenstände offenbart viel über die Bedürfnisse unserer hyperkommodifizierten Gesellschaft und gleichzeitig besitzen sie, wie Bruno Latour bemerkt, ein Handlungspotential. Durch ihre materielle Beschaffenheit formen sie Bewegungsabläufe, Denkprozesse und soziale Beziehungen. Diese spannungsvolle Wechselwirkung macht sich der Künstler zunutze und modifiziert Alltagsobjekte, um ihnen innewohnende Vorannahmen und Wirkmechanismen humorvoll zu offenbaren. Dabei spielt für ihn die Idee, dass Dinge ein Eigenleben entwickeln eine Rolle.

Ort: Sammlung Hackelsberger

Elisabethkirchstraße 16, 10115 Berlin, Deutschland

Öffnungszeiten: rund um die Uhr

Laufzeit: 04.07.- 30.08.2024

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